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Technische Due Diligence: Ablauf, Prüfpunkte und Kosten

Technische Due Diligence Schritt für Schritt: Prüfpunkte, Gutachten, Kostenschätzung und Einbindung in den Kaufprozess für Wohnimmobilien.

Technische Due Diligence: Ablauf, Prüfpunkte und Kosten

Das Exposé nennt ein erneuertes Dach, die Wohnung wirkt gepflegt, und der Makler spricht von laufender Modernisierung. Sie sollen ein Kaufangebot abgeben, wissen aber noch nicht, ob hinter den frisch gestrichenen Wänden alte Leitungen liegen und welchen Zustand die gemeinsame Heizungsanlage hat.

Genau dort setzt die technische Due Diligence an. Sie verbindet Unterlagen, Begehung und Kostenschätzung zu einer belastbaren Kaufgrundlage. Entscheidend ist nicht, ob irgendwann modernisiert wurde, sondern welche Bauteile tatsächlich erneuert wurden, was unverändert blieb und welche Ausgaben daraus für Sie entstehen.

Der Ablauf in vier Arbeitsschritten

Eine technische Due Diligence führt von der Dokumentenprüfung über den Bestandsabgleich und die technische Begehung zur Investitionsplanung. Dokumentenanalyse, Vor-Ort-Prüfung, Mängeldokumentation und Investitionsplanung gehören auch zum Leistungsbild der technischen Due Diligence von DEKRA.

Die vier Phasen einer technischen Due Diligence

PhasePrüfinhaltErgebnis
1. DokumentenprüfungBaugenehmigung, Pläne, Statik, Brandschutz, Wärmeschutznachweis, FlächenDokumentenliste mit Lücken
2. Abgleich mit dem BestandPläne gegen Gebäude, Wohnflächen, NutzungenListe der Abweichungen
3. Technische BegehungGebäudehülle, Tragwerk, Innenausbau, GebäudetechnikBefundprotokoll mit Fotos
4. CapEx-PlanungKosten, Dringlichkeit, Restnutzungsdauer, VerantwortungPriorisierte Maßnahmenliste

Sie sollten diese Arbeitsschritte nicht als voneinander unabhängige Aufträge behandeln. Findet der Prüfer eine Feuchtespur unter dem angeblich sanierten Dach, muss er die Rechnung erneut ansehen: Wurde die Dachabdichtung erneuert oder lediglich die Rinne repariert? Erst diese Verbindung macht aus einer Beobachtung einen verwertbaren Befund.

Die folgende Übersicht veranschaulicht den Weg von den Unterlagen zum Bericht.

Eine Infografik, die den vierstufigen Prozess einer technischen Due-Diligence-Prüfung von Immobilien übersichtlich und leicht verständlich darstellt.

Vor dem Prüfstart Zugang und Umfang sichern

Vor der inhaltlichen Prüfung muss der vorhandene Datenraum vollständig gesichtet sein. Das bedeutet nicht, dass alle erforderlichen Unterlagen vorliegen müssen. Es bedeutet, dass bekannt ist, welche Dateien vorhanden, lesbar oder offensichtlich unvollständig sind.

  • Lücken erfassen: Fehlende Dokumente kommen mit Ansprechpartner und Nachforderung in eine gemeinsame Liste.
  • Begehung organisieren: Verwaltung oder Verkäufer müssen Zugang zu Dachraum, Keller, Technikräumen und relevanten Wohnungen ermöglichen.
  • Prüfumfang vereinbaren: Sichtprüfung, Funktionsprüfung und weiterführende Untersuchungen sind unterschiedliche Leistungen. Bauteilöffnungen benötigen eine ausdrückliche Abstimmung.

Bei einem vermieteten Mehrfamilienhaus scheitert eine gute Prüfung häufig nicht am Fachwissen, sondern am fehlenden Schlüssel zum Heizraum oder an nicht angekündigten Wohnungsbesichtigungen. Klären Sie deshalb vor der Anfahrt, welche Bereiche tatsächlich zugänglich sind.

Eine Phase braucht ein übergabefähiges Ergebnis

Die Käuferprüfung darf nicht einfach die Zusammenfassung des Verkäufers übernehmen. Die unterschiedlichen Interessen bei Buy-Side- und Sell-Side-Due-Diligence bestimmen, welche Annahmen unabhängig geprüft werden müssen.

Eine Phase ist abgeschlossen, wenn ihr Ergebnis nachvollziehbar dokumentiert ist und offene Punkte ausdrücklich benannt sind. Ein verschlossener Dachraum ist keine erledigte Dachprüfung. Er bleibt ein Zugangshindernis mit einer daraus folgenden Prüfunsicherheit.

Dokumente gegen den Bestand abgleichen

Ein neues Dach sagt nichts über die Steigleitungen aus. Selbst beim Dach bleibt offen, ob nur die Eindeckung ersetzt wurde oder auch Dämmung, Anschlüsse und beschädigte Holzteile bearbeitet wurden. Der Begriff modernisiert ist ohne Leistungsumfang technisch kaum brauchbar.

Im regionalen Vergleich des Umweltbundesamtes zum Wohnen und Sanieren werden für Deutschland 51,4 % teilsanierte Wohngebäude ausgewiesen. Für die Prüfung folgt daraus: Nicht das Gebäude pauschal bewerten, sondern den Maßnahmenstand je Bauteil rekonstruieren.

Jede Modernisierung braucht eine Belegkette

Beginnen Sie mit einer Maßnahmenübersicht. Ordnen Sie jeder behaupteten Erneuerung die betroffenen Gebäudeteile, den dokumentierten Leistungsumfang und die zugehörigen Nachweise zu.

Aussage oder UnterlageKonkreter Gegencheck
Dach laut Exposé erneuertRechnung, Leistungsverzeichnis, Abnahme und sichtbare Ausführung vergleichen
Neue HeizungsanlageTypenschild, Rechnung, Inbetriebnahme und Wartungsunterlagen abgleichen
Fassadensanierung abgerechnetBeschluss, Auftragsumfang, Finanzierung und Abschlussstand prüfen
Wohnfläche angegebenBerechnung mit Grundrissen, Nutzung und erkennbaren Umbauten vergleichen
Keller als trocken beschriebenFrühere Schadensmeldungen, Versicherungsfälle und sichtbare Oberflächen prüfen

Eine Rechnung belegt zunächst eine abgerechnete Leistung, nicht automatisch deren mangelfreie Ausführung. Ein Wartungsnachweis wiederum belegt keine Modernisierung. Diese Unterschiede gehören in die Bewertung, sonst wird aus einer kleinen Reparatur auf dem Papier eine umfassende Erneuerung.

Bei Wohnungseigentum kommen Teilungserklärung, Aufteilungsplan und Versammlungsprotokolle hinzu. Prüfen Sie, welche Flächen zur Einheit gehören, welche Sondernutzungsrechte bestehen und ob bauliche Veränderungen zur dokumentierten Zuordnung passen. Belastungen aus dem Grundbuch und unklare rechtliche Zuordnungen sollten juristisch eingeordnet werden.

Prüfregel: Eine Modernisierungsbehauptung ist erst belastbar, wenn Unterlage, betroffener Gebäudeteil und sichtbare Ausführung zusammenpassen.

Widersprüche nicht durch Vermutungen schließen

Angenommen, die Hausgeldabrechnung enthält Ausgaben für eine Fassadensanierung, im vorliegenden Versammlungsprotokoll fehlt jedoch der zugehörige Beschluss. Daraus folgt weder, dass kein Beschluss existiert, noch dass die Finanzierung geklärt ist. Fordern Sie Beschlusssammlung, Auftragsunterlagen und Angaben zum offenen Zahlungsstand an.

Wirtschaftsplan und Rücklagennachweis erfüllen ebenfalls unterschiedliche Aufgaben. Der Plan zeigt vorgesehene Einnahmen und Ausgaben; für die verfügbare Rücklage brauchen Sie den belegten Bestand und Informationen über bereits gebundene Mittel.

Den Energieausweis prüfen Sie separat auf Typ, Gültigkeit und plausible Gebäudedaten. Nach § 79 Gebäudeenergiegesetz beträgt seine Gültigkeitsdauer grundsätzlich zehn Jahre; bei bestimmten Modernisierungen kann sie vorzeitig enden. Für die technische Bewertung müssen Heizungsdaten, Gebäudehülle, Modernisierungsempfehlungen und Verbrauchs- oder Bedarfsangaben zusammenpassen.

Am Ende erhält jeder Unterlagentyp einen eindeutigen Status: vorhanden und plausibel, widersprüchlich oder fehlend. Ergänzen Sie bei offenen Fällen die konkrete Frage. Fehlender Nachweis zur Strangsanierung ist hilfreicher als Unterlagen unvollständig.

Prüfpunkte an Gebäudehülle, Haustechnik und Bausubstanz

Ein Großteil der deutschen Wohngebäude stammt aus der Zeit vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Das Baujahr allein sagt deshalb wenig aus. Entscheidend ist, welche Bauteile seitdem erneuert wurden und welche noch aus der Bauzeit stammen. Ein saniertes Dach sagt nichts über die Steigleitungen aus, ein neuer Kessel nichts über das Alter der Heizkörper. Genau diese Teilmodernisierungen prägen die Begehung: Der Zustand muss Bauteil für Bauteil getrennt bewertet und anschließend mit den Unterlagen und der Kostenschätzung zusammengeführt werden.

Prüfpunkte nach Bauteil mit Risiko und Kostenhebel

BereichPrüfpunkteTypisches Risiko bei älteren GebäudenKostenhebel
DachEindeckung, Sparren, Dämmung, Rinnen, AnschlüsseFeuchte im Dachgeschoss, fehlende DämmungHoch
FassadePutz, Risse, Fugen, Balkonanschlüsse, DämmungAblösungen, WärmebrückenHoch
FensterVerglasung, Dichtungen, Rahmen, WärmeschutzZugluft, Kondensat, AustauschbedarfMittel
Kellerabdichtung und GründungFeuchtespuren, Risse, DrainageAufsteigende Feuchte, SetzungsschädenHoch
HeizungsanlageBaujahr, Kessel, Regelung, WartungsnachweiseVeraltete Technik, ErsatzbedarfHoch
Leitungen und ElektrikSteigleitungen, Zählerschrank, AbwasserrohreMaterialermüdung, VerengungenMittel bis hoch
BrandschutzRettungswege, Türen, BrandmeldungNicht mehr zeitgemäße Fluchtwege, fehlende MelderMittel

Die Kostenhebel sind eine erste Sortierung, keine Kostenschätzung. Eine Fensterdichtung ist ein anderer Eingriff als der Austausch sämtlicher Fenster; eine lokale Putzreparatur unterscheidet sich grundlegend von einer Fassadenmaßnahme mit Gerüst. Dasselbe gilt innen: Neue Fliesen im Bad belegen keine neuen Zuleitungen hinter der Wand. Umfang, Zugänglichkeit und notwendige Begleitarbeiten bestimmen den tatsächlichen Aufwand.

Von außen nach innen prüfen

Beginnen Sie mit Gelände, Entwässerung und Gebäudehülle. Fallrohre, Lichtschächte und Geländeanschlüsse können erklären, weshalb im Keller Feuchte auftritt. Wer sofort eine defekte Kellerabdichtung annimmt, riskiert eine teure Fehlplanung.

Am Dach verdienen Durchdringungen und Übergänge besondere Aufmerksamkeit: Schornsteine, Dachflächenfenster, Kehlen und Anschlüsse an aufgehende Wände. Im Dachraum helfen Taschenlampe und gezielte Fotos, Wasserlaufspuren, Verfärbungen und auffällige Holzstellen festzuhalten. Ein Feuchtemessgerät unterstützt die Orientierung, beweist aber für sich genommen weder Ursache noch Schadensumfang.

An der Fassade müssen Risse nach Lage, Verlauf und betroffenen Bauteilen beschrieben werden. Frischer Anstrich kann ältere Reparaturstellen verdecken. Bei Balkonen sind Unterseiten, Entwässerung und Anschlüsse oft aussagekräftiger als der neue Oberbelag.

  • Fenster bedienen: Öffnen, schließen und Verriegelung prüfen. Beschläge, Dichtungen und Anschlussfugen getrennt betrachten.
  • Heizung identifizieren: Typenschild fotografieren, Regelung und sichtbare Leckagen aufnehmen, Wartungs- und Störungsnachweise zuordnen.
  • Installationen verfolgen: Im Keller sichtbare Leitungen mit den Angaben zur Strangsanierung vergleichen. Ein erneuerter Abschnitt im Keller belegt keinen sanierten Strang bis zum obersten Geschoss.
  • Sicherheit abgrenzen: Elektroverteilungen nicht eigenmächtig öffnen. Messungen und die Bewertung elektrischer Schutzmaßnahmen gehören zum Elektrofachbetrieb.

Verdeckte Bauteile bleiben eine begründete Unsicherheit

Gründung, erdberührte Abdichtung und Leitungen in Schächten sind bei einer normalen Begehung überwiegend nicht sichtbar. Bewerten Sie diese Bereiche anhand von Plänen, Materialhinweisen, Reparaturhistorie und möglichen Folgeschäden. Abplatzender Putz, Ausblühungen oder überarbeitete Deckenstellen sind Anlässe für weitere Prüfung, noch keine sichere Diagnose.

Nicht sichtbar bedeutet nicht mängelfrei. Es bedeutet, dass der Prüfer seine Aussagegrenze und den nächsten sinnvollen Untersuchungsschritt benennen muss.

Bei unklaren Abwasserproblemen kann eine Kamerabefahrung sinnvoller sein als eine pauschale Austauschannahme. Bei Rissen mit möglichem Tragwerksbezug braucht es eine statische Einordnung; bei verdächtigen Baustoffen eine geplante Probenahme statt einer Einschätzung nach Farbe oder Geruch.

Notieren Sie pro Position, ob sie tatsächlich geprüft oder nur besichtigt wurde. Eine ausgeschaltete Heizung lässt sich nicht als funktionsfähig abhaken, ein nicht zugänglicher Schacht nicht als intakt. Am Ende der Begehung steht kein Gesamturteil, sondern ein bauteilweise abgegrenzter Zustand. Erst wenn dieser mit den Unterlagenbefunden und der späteren Kostenschätzung zusammengeführt wird, entsteht aus einzelnen Eindrücken ein belastbares Bild des Gebäudes.

Gutachten und Mängel bewerten

Ein brauchbarer Befund beschreibt nicht nur einen Schaden. Er erklärt, worauf die Feststellung beruht, was gesichert ist und welche Entscheidung der Käufer daraus ableiten kann. Die Formulierung Feuchte im Obergeschoss reicht dafür nicht.

Die Aufnahme vor Ort muss den Befund später eindeutig auffindbar machen.

Ein Bauingenieur inspiziert ein Wohnhaus und prüft eine detaillierte technische Zustandsliste mit einer Lupe auf dem Klemmbrett.

Befunde so schreiben, dass jemand damit arbeiten kann

Vergeben Sie eine eindeutige Befundkennung und verwenden Sie diese in Fotoliste, Kostenschätzung und Rückfragen. So bleibt erkennbar, welche Positionen zusammengehören.

  • Nachweis: Dokument mit Seite oder Begehungsfoto mit genauer Ortsangabe.
  • Feststellung: Bauteil, Schadensbild und erkennbarer Umfang, ohne unbewiesene Ursache.
  • Einordnung: Wahrscheinliche Ursache, alternative Erklärung und verbleibende Unsicherheit.
  • Konsequenz: Empfohlene Maßnahme, Kostenbandbreite, Dringlichkeit und Verantwortlicher.
  • Nächste Prüfung: Konkrete Untersuchung, wenn die vorhandenen Informationen nicht ausreichen.

Angenommen, unter einem Flachdach zeigt sich eine Wasserlaufspur. Gesichert ist zunächst die sichtbare Spur; eine aktuell undichte Dachabdichtung bleibt ohne weitere Untersuchung eine Arbeitshypothese. Der Bericht sollte deshalb nicht sofort einen vollständigen Dachersatz als feststehende Ausgabe ausweisen.

Wahrscheinlichkeit und Kostenwirkung gemeinsam bewerten

Eine Risikomatrix mit niedriger, mittlerer und hoher Eintrittswahrscheinlichkeit sowie entsprechender Kostenwirkung hilft bei der Sortierung. Ein wiederholt undichtes Dach mit dokumentierten Reparaturen steht anders da als eine trockene, ältere Verfärbung ohne bekannte Entwicklung. Eine klemmende Tür bleibt meist nachrangig, kann als Rettungswegtür aber sicherheitsrelevant sein.

Das BBSR bezifferte das Volumen von Instandsetzungen und Reparaturen im deutschen Gebäudebestand für 2020 auf rund 32,6 Mrd. Euro; etwa 70 % entfielen auf den Wohnbau. Für den einzelnen Ankauf zählt dennoch die objektspezifische Bewertung: Viele kleine Reparaturen können das Budget belasten, während ein ungelöstes Tragwerks- oder Schadstoffthema die Kaufentscheidung allein bestimmen kann.

Starre Lebensdauertabellen sind dafür zu grob. Das BBSR weist auf die begrenzte empirische Absicherung allgemein gültiger Sanierungszyklen hin. Leiten Sie die Restnutzungsdauer deshalb aus Zustand, Beanspruchung, Wartung und Reparaturverlauf ab, nicht allein aus dem Herstellungsjahr.

Für die weitere Einordnung lässt sich auch das folgende Video heranziehen.

Technischen Prüfbericht und Spezialgutachten unterscheiden

Ein Wertgutachten beantwortet eine andere Frage als die technische Zustandsprüfung. Ebenso wenig ersetzt ein allgemeiner technischer Bericht eine gezielte Schadstoffuntersuchung oder einen statischen Nachweis.

Der Prüfer muss erkennen, wann seine Grundlage nicht mehr ausreicht. Dann ist eine klar abgegrenzte Zusatzuntersuchung hilfreicher als eine scheinbar präzise Schlussfolgerung. Für die Kaufentscheidung brauchen Sie getrennte Listen für gesicherte Mängel und ungeklärte Risiken, nicht eine vermischte Gesamtnote.

Kostenschätzung in drei Szenarien

Ordnen Sie die priorisierten Befunde nach ihrem Entscheidungsbedarf. Akute Arbeiten benötigen gesicherte Finanzierung, absehbare Erneuerungen einen Investitionsplan und ungeklärte Risiken eine bewusste Entscheidung über weitere Prüfung oder vertragliche Absicherung.

Kostenszenarien und ihre Behandlung im Kaufpreis

SzenarioInhaltUmgang im Kaufpreis oder Vertrag
Sofortiger SanierungsbedarfAkute Schäden an Dach, Heizung oder FeuchteproblemeAbzug vom Kaufpreis oder Sanierung vor Übergabe
Planbarer Aufwand innerhalb von fünf JahrenMaßnahmen mit absehbarer Fälligkeit wie Fenster oder FassadeRücklage oder Kaufpreisabschlag
Nicht quantifizierbarer PrüfvorbehaltUnklare Befunde wie Gründung, verdeckte Leitungen oder SchadstoffeGarantie, Einbehalt oder weitere Prüfung vor dem Notartermin

Der Planungshorizont ist eine Arbeitsannahme für Ihren Ankauf, keine zugesicherte Restlebensdauer. Ein technisch funktionierendes Bauteil wird nicht allein wegen seines Alters zur sofortigen Austauschposition. Umgekehrt darf eine akute Undichtigkeit nicht in die spätere Investitionsplanung verschoben werden.

Jede Kostenposition braucht einen beschriebenen Umfang

Nutzen Sie Angebote von Fachbetrieben für konkret erkennbare Arbeiten und nachvollziehbare Kostenkennwerte für noch nicht ausgeschriebene Standardmaßnahmen. Erfassen Sie jeweils, welche Mengen, Ausführungsqualität und Nebenleistungen zugrunde liegen. Ein Angebot für den Heizkessel ist keine vollständige Schätzung für den Umbau der Wärmeversorgung.

Für jede Position empfiehlt sich eine Bandbreite. Deren Untergrenze beschreibt den begründeten Mindestumfang; die Obergrenze berücksichtigt plausible zusätzliche Arbeiten. Ein pauschaler Sicherheitszuschlag ersetzt nicht die Benennung konkreter Unsicherheiten.

  • Baustelleneinrichtung mitnehmen: Gerüst, Schutzmaßnahmen, Zugänge und Entsorgung können den Aufwand wesentlich verändern.
  • Folgegewerke berücksichtigen: Nach Leitungsarbeiten müssen oft Schächte geschlossen, Oberflächen hergestellt und Wohnungen gereinigt werden.
  • Nutzungskosten separat führen: Mietausfall, Ausweichunterbringung und eingeschränkte Nutzbarkeit gehören nicht unsichtbar in den Baukostenansatz.
  • Planung und Prüfung ausweisen: Fachplanung, Sondergutachten und begleitende Kontrollen sind eigene Positionen.

Gemeinschaftseigentum wirtschaftlich zuordnen

Bei einer Eigentumswohnung dürfen Sie nicht einfach den Gesamtaufwand der Gemeinschaft als Ihre persönliche Ausgabe ansetzen. Prüfen Sie Kostenverteilung, Ihren Anteil, verfügbare Mittel und die konkrete Finanzierung. Die Instandhaltungsrücklage hilft nur insoweit, wie sie für die betreffende Maßnahme tatsächlich verfügbar ist.

Ein bereits beschlossener Sanierungsbetrag, der noch nicht in der Abrechnung erscheint, ist eine konkret zu klärende Zahlungsverpflichtung und kein ferner Modernisierungswunsch. Ob daraus sofortiger Liquiditätsbedarf für den Käufer entsteht, hängt insbesondere von Fälligkeit, Beschlusslage und Vertragsgestaltung ab.

Eine ungeklärte Großposition erhält keinen Schätzwert von null. Sie bleibt als Prüfvorbehalt sichtbar, bis ihr Umfang eingegrenzt ist.

Summieren Sie bezifferbare Szenarien getrennt und führen Sie nicht quantifizierbare Punkte ohne Scheingenauigkeit daneben. Vermeiden Sie Doppelzählungen, etwa wenn Gerüstkosten sowohl bei Dach als auch Fassade vollständig enthalten sind.

Die technische Prüfung selbst gehört ebenfalls ins Ankaufsbudget. Vereinbaren Sie vor Beauftragung Leistungsumfang, Vergütungsmodell, enthaltene Termine und den Umgang mit Zusatzuntersuchungen. Ein günstiger Sichtprüfungstermin ist kein Ersatz für eine Prüfung, die Ihre entscheidenden Risiken tatsächlich abdeckt.

Befunde vor dem Notartermin in den Kaufvertrag überführen

Eine fertige Befundliste schützt noch nicht vor unklaren Verpflichtungen. Käufer, Verkäufer und rechtliche Berater müssen festlegen, welche Feststellungen den Preis verändern, welche Arbeiten noch erledigt werden und welche Unsicherheiten beim Käufer verbleiben.

Bei Wohnungseigentum hilft eine Checkliste für den Kauf einer Eigentumswohnung, technische Befunde mit Beschlüssen, Finanzierungsfragen und den Unterlagen der Gemeinschaft zusammenzuführen. Entscheidend ist, dass diese Themen nicht in getrennten E-Mail-Verläufen verloren gehen.

Den Prüfstand mit dem Kaufablauf verbinden

  1. Prüfvorbehalt im Angebot vereinbaren.
    Beschreiben Sie, welche Unterlagen und Zugänge Sie für die Kaufentscheidung benötigen. Stimmen Sie die Prüffrist mit Verkäufer und gegebenenfalls einer Exklusivitätsvereinbarung ab; verlassen Sie sich nicht auf eine unverbindliche Zusage, fehlende Unterlagen kämen später.

  2. Befundliste innerhalb der Prüffrist abschließen.
    Halten Sie den Informationsstand fest und kennzeichnen Sie nachgereichte Dokumente. Neue Erkenntnisse müssen in Bewertung und Kostenschätzung einfließen, statt nur im Anhang abgelegt zu werden.

  3. Preisforderung an konkrete Positionen knüpfen.
    Verhandeln Sie nicht pauschal wegen eines alten Hauses. Benennen Sie den betroffenen Umfang, die kalkulierte Bandbreite und Ihre Annahmen; berücksichtigen Sie dabei, welche Eigenschaften bereits im Angebotspreis erkennbar waren.

  4. Vereinbarungen rechtlich ausarbeiten lassen.
    Soll der Verkäufer sanieren, brauchen Sie eine definierte Leistung, einen Termin und einen überprüfbaren Erledigungsnachweis. Garantien, Einbehalte und das Verhältnis zu Gewährleistungsausschlüssen müssen rechtlich aufeinander abgestimmt werden; bei Eigentumswohnungen gehören beschlossene Maßnahmen und Sonderumlagen ausdrücklich in die Prüfung.

  5. Offene Punkte vor der Beurkundung entscheiden.
    Eine ausstehende Untersuchung darf nicht versehentlich als erledigt gelten. Entweder wird sie nachgeholt, ihr Risiko wirksam geregelt oder der Käufer entscheidet ausdrücklich, ob er es tragen will.

Mit einer verantworteten Aufgabenliste beginnen

Setzen Sie als erste Handlung eine gemeinsame Liste mit Befundkennung, Szenario, offener Frage, Verantwortlichem und Erledigungsnachweis auf. Der Verkäufer beschafft beispielsweise die fehlende Dachrechnung, der Fachprüfer grenzt den Schaden ein und die Rechtsberatung formuliert die vereinbarte Absicherung.

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Dieser Bericht zeigt mit Quellen, was in den Dokumenten steht, was sich widerspricht und was fehlt. Er ist keine Rechtsberatung, kein Wertgutachten und kein Sachverständigengutachten. Die Begehung und fachliche Bewertung des tatsächlichen Bauzustands müssen gesondert erfolgen.


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